Die Anfänge

Die Anfänge der Büttenrede sind wissenschaftlich nicht exakt nachweisbar. Teilweise wird sie auf das mittelalterliche Fastnachtsspiel zurückgeführt, dass im gesamten deutschsprachigen Raum anzutreffen war. Das Feiern war ausgelassener als heute, andererseits hatte das gesellige Beisammensein eine höhere Bedeutung. Fastnachtlich verkleidet, isst und trinkt man zusammen, tanzt und erfreut sich an den komischen Beiträgen Einzelner: Witzen, Rätseln und Einzelvorträgen.

Üblich waren auch Fastnachtsspiele in mancherlei Form, die auf Inhalt und Aufgabe der Fastnacht und Fastenzeit hinwiesen. So wurde zum Beispiel die Narrenthematik, das lasterhafte Treiben der Welt oder der Endzeitcharakter der Fastnacht betont.

Die erste nachweisbare Büttenrede

Mit der Reformation erweiterte sich das inhaltliche Spektrum so weit, dass ein sichtbarer Zusammenhang zwischen dem Anliegen der Fastnacht mehr und mehr verloren ging. So wurde die Fastnachtszeit genutzt, um Theateraufführungen geistlicher wie weltlicher Art darzubieten. Seitens der Protestanten war es das Bemühen um Verdrängung oder Beseitigung der als "papistisch" bewerteten Fastnachtsbräuche und -spiele. Sie wurden ersetzt durch die Lebensweisheit antiker Autoren und des alten Testamentes. Auf der katholischen Seite behielt man die alten Spielgewohnheiten zunächst bei. Die Orden, voran die Jesuiten, ließen dann aber an ihren Gymnasien und auch auf größeren, öffentlichen Plätzen ausgewählte Stücke von ihren Schullehrern und Schülern vorführen. Die Stücke behandelten größtenteils geistliche Historien aus dem Alten und Neuen Testament, aber auch über die Heiligen und aus der Kirchengeschichte. Daneben haben insbesondere die Benediktiner eigene Fastnachtsspiele aufgeführt. Am Salzburger Benediktinergymnasium lassen sich von 1617 bis 1778 44 Fastnachtsspiele nachweisen. Das Grundanliegen blieb es, die Fehler und Schwächen der Weltmenschen aufzuzeigen und auf Besserung hinzuwirken. Für das Jahr 1744 findet man auf dem Spielplan das Stück: "Diogenes redivivus corruptos hominum mores notans". Nach der griechischen Sage lebte Diogenes in einem Fass. Es ist daher anzunehmen, dass in diesem Stück der wiederbelebte Diogenes sich aus einem Fass heraus zu Wort gemeldet hat, um die verderbten Sitten der Menschheit anzuklagen. Hier handelt es sich wahrscheinlich um die erste nachweisbare Büttenrede.

Die Bütt

Ein wesentlich Anliegen der Bräuche war es, die verschiedenen Arten von Normverstößen aufzuzeigen. Dabei waren besonders beliebt die Auftritte in der Bütt, dem Fass der Fastnacht. Hier wird oft "dreckige Wäsche" gewaschen. Ein Erklärungsversuch ist, die Bütt aus der Waschbütte, dem Waschfass abzuleiten. Allerdings fehlt dann der Zusammenhang zum Narren, der in dieser Bütt seine Narrenfreiheit nutzt oder zur Eule, dem Sinnbild der Weisheit, die oft auf der Bütt angebracht ist.

Der Beginn der politischen Büttenrede

Wie bereits dargestellt, hat der Narr bereits im Mittelalter Missstände oder Abweichungen von der Norm kritisiert. Aber mit der französischen Revolution gewinnt dieses Rügen einen ausgeprägten politischen Akzent. Besonders im zu Frankreich gehörenden Teil des Rheinlandes kann die Bevölkerung unter der Narrenkappe den Behörden die Wahrheit ins Gesicht sagen.

Mit Beginn der organisierten Sitzungsfastnacht in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts sind die Büttenreden in der heutigen Form nachweisbar. Sicher war es von Anbeginn das Ziel der Redner, ihr Publikum zu unterhalten. Der Beifall war und ist der höchste Lohn für den Redner. Für schlechte Vortragende öffnete sich in Mainz unter der Bütt eine Falltür, in der sie verschwanden - und somit ernteten sie doch noch Beifall.

Eine besondere Form ist politische Vortrag. In der Zeit des Vormärz wurde die Bütt als Forum der freien Rede für kritische Stellungnahmen genutzt.ma_ks2